Ein derbes Wort für das, was uns oft trifft

Heute fahre ich wie immer mit dem Rad nach Hause. Ich halte an der Ampel gegenüber einem Gymnasium. Neben mir eine Schülerin und ein Schüler im Gespräch über eine Mitschülerin. Sie so: „Die wirft mir immer so Bitch-Blicke zu …“ Bitch-Blicke ist mein Wort des Tages.

Ich kannte diese Formulierung nicht. Die einzelnen Wörter schon, aber nicht die Kombi. Okay, Jugendsprache ist auch nicht meine Westentasche. Aber die Formulierung fällt bei mir auf fruchtbaren Boden: Ich kenne Bitch-Blicke. Sie treffen manchmal den Hibbelmors und unsere Familie.

Glaubt mir, ich will das Gute in den Menschen sehen. Ich möchte glauben, dass alle es wohl meinen mit allen. Auch mit solchen, die anders aussehen, kommunizieren, handeln, leben, lieben, als sie selbst es als normativ betrachten.

Aber diese Bitch-Blicke begegnen uns. Die Blicke, die fragen „What the f*** ist das für ein Kind?“ und „Wieso muss ich mir dieses Schreien anhören?“ und „Was tatscht mich der fremde Junge an?“ und „Die Mutter hat wohl ihr Kind nicht im Griff!“

Es gibt die offenen und zugewandten Menschen. Ich bin dankbar für jede Begegnung mit ihnen. Aber es gibt auch Schubladen-Bitches, die alles schief angucken, was anders ist, als ihr kleines Normal. Ich habe jetzt ein Wort für ihre Blicke. Das hilft mir, diese Blicke zwar zu sehen, aber sie direkt abzuheften. Sie nicht zu nahe kommen zu lassen und meine Enttäuschung über unsere manchmal doch sehr intolerante und sogar ableistische Gesellschaft nicht hochkochen zu lassen. Danke an dich, Schülerin an der Ampel!

PS: Ich weiß, dass der Begriff sexistisch daherkommen kann. Ich denke ihn komplett ohne Gender-Zuordnung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.