Ein Finger, der versucht, die Welt zu deuten

Der Zeigefinger hat beim Hibbelmors seinen Namen redlich verdient. Diese Ur-Gebärde ist und bleibt die wichtigste in der aktiven Kommunikation des Jungen. Sowieso gibt es nur ganz wenige Laute, die konkret mit einer Bedeutung verbunden sind. Hinzu gesellen sich ein paar Gebärden, über die ich an anderer Stelle berichten werde.

Das Zeigen aber ersetzt oftmals eine klare Bitte: „Bitte sage mir, was das ist!“
Der Finger fordert Worte ein, weil der Hibbelmors die Worte nicht selbst formulieren kann. So zeigt er auf Fahrradfahrten manchmal auf jedes Auto und will die Farbe hören. Ich muss klare Ansagen machen, wenn ich keine Lust mehr habe, Lautsprecherin zu sein, sonst ginge das Spiel endlos weiter.

Auch auf Leute wird gezeigt, was diese oft irritiert, weshalb ich mantramäßig wiederhole: „Nur auf Dinge und Tiere zeigen“. Ist das richtig, wenn der Finger dem Hibbelmors doch so viel Information bringt und er einfach was über die Menschen wissen will, die da gerade vorbeigehen?!?!

Hier zeigt der Hibbelmors auf die dräuenden Wolken, denn Donner und Blitz machen ihm Angst. Die Bitte, die der Finger in solchem Moment zum Ausdruck bringt, lautet:“ Mama, sag mir, ob es donnern wird!“ Diese ängstlich-aufgeregte Abfrage wird unter Umständen alle halbe Minute wiederholt. Eingeleitet wird sie durch ein mehr oder weniger zärtliches Klopfen an ein Körperteil von mir, das gerade am nächsten ist. Da der Sehsinn beim Hibbelmors nicht besonders gut ausgeprägt ist, guckt er oft einfach nicht, bevor er handelt. Daher kann das Anklopfen auch mal schmerzlich ins Auge gehen.

Den Fingerzeig als Aufforderung „Das will ich haben“ akzeptieren wir nicht. Wir fordern den Hibbelmors unsererseits auf: „Sag es mit Gebärden“. Dann schafft er es, zumindest drei Worte zu gebärden: Ich – will – bitte. Es folgt entweder eine weitere Gebärde oder der Fingerzeig, wenn die Gebärde für das, was der Hibbelmors will, nicht abgespeichert ist.

Ein wahrlich mächtiger Finger, dieser Zeigefinger …

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