Ausgepackt – oder: Haus mit Garten und Einschlafproblemen

So, Donnerstag war Umzugstag. Der Tag ist erstaunlich gut gelaufen: Um halb acht kommen parallel das Umzugsunternehmen und unsere Tagesmutter. Zweitere bringt H&M in den Kindergarten, damit wir Erwachsene beide umzugsmäßig am Start sein können. Die drei Ein- und Auspacker sind mit ihrer Aufgabe mittags um eins durch und loben uns – das gilt vor allem meinem Liebsten – für die gute Vorbereitung. Das tut gut bei diesem Stress!

Jetzt ist all unser Hab und Gut im Haus. Im neuen, grau gestrichenen Haus mit seinen roten Fensterläden. Und die Sonne scheint. Und die Obstbäume im Garten wuchern mit zahllosen weißen Knospen. Und die von Freundinnen gebrachten Speisen schmecken nach getaner Arbeit auf unserer Terrasse immens lecker. Es fühlt sich gut an.

Sie kommen!

Um sechs Uhr dann kommen die Kinder. Unsere tolle Tagesmutter bringt sie und dazu ihren Freund sowie Brot und Salz. Die Kinder hüpfen auf und ab vor Aufregung. H & M kennen alles grob – waren wir doch mehrmals mit beiden hier.

H sagt auch sofort qua Gebärden „neues Haus“ und „Garten“. Die Gebärden, die ich neben „Familie“ und „umziehen“ in letzter Zeit gefühlte fünftausend Mal vor seinen Augen ausgeführt habe. Abendessen gibt es heute später. Nahrung erweist sich sowieso als nicht so wichtig: Kein Teller wird leer gegessen.

Sie schlafen!

Gespannt erkunden wir alle nochmals das Haus vom Keller bis hinauf zum Spitzboden mit der gefürchteten Sambatreppe. Dann geht es ans Schlafengehen. Die Challenge:

  • der neue Raum
  • die Geräusche in einem Zimmer, das nun nicht mehr zum Garten, sondern zur Straße und (kein Witz) zur Weide zweier Pferde hin liegt
  • die Helligkeit, weil es im Süd-West-Zimmer (gnadenlose Abendsonne) keine Verdunkelung gibt
  • die Betten von H&M, die wieder als Etagenbett aufgebaut sind

Ich schrieb schon davon: Wir haben irgendwann das kindgerechte Etagenbett gegen die schnöde, aber schlaffördernde Doppelbett-Variante eingetauscht. Nun also wieder kindgerecht, aber schlafhinderlich – zumindest für den stets Gesellschaft suchenden H.

Ich bringe die Kinder ins Bett und habe ein bisschen Angst davor, dass sie nicht zur Ruhe kommen. Vor allem aber vor H’s Ausdauer, was das Wachbleiben trotz desaströser Müdigkeit betrifft. Pustekuchen: M schläft beim ersten Schlaflied ein und H braucht läppische 20 Minuten. Das ist für seine Verhältnisse absolut im grünen Bereich.

Auf einmal schläft doch nur eine!

Am nächsten Tag – Freitag – gehen die Kinder wieder in den Kindergarten, weil wir bohren müssen. M flüchtet vor dem Lauten, H verfällt in Panik. Da ist die Kita heute der deutlich bessere Ort. Als sie wiederkommen, sind wir im Garten. Wir gehen zu den Nachbarn, die Sandkasten und Trampolin feilbieten. Die Sonne scheint, die Kinder sehen verschmiert und bald dann auch ziemlich müde aus. M schläft wieder zügig ein. Und H?
Acht Uhr: H liegt still und mit geschlossenen Augen, drückt aber jedes Mal feste zu, wenn ich teste, ob ich meine Hand aus seiner lösen kann.
Neun Uhr: H setzt sich auf und schaut mit Maulwurfsaugen und offenem Mund im Zimmer umher. Schaut auf mich und gebärdet „neues Haus“. Ja, sage ich mit Engelszungen, hier wohnen wir jetzt. Ich bin bei dir. M schläft schon. Du darfst ganz entspannt auch einschlafen. H lässt sich auf die Matratze plumpsen.
Halb zehn: Meine schwitzende Hand wird von H’s schwitzender Hand gefangen gehalten. Mich kribbelt’s, ich merke, ich kann nicht mehr lange.
Zehn: H schläft. Ich bin gerade unten, als es oben poltert. Ich gucke ins Kinderzimmer und H, noch mehr Maulwurf, sitzt neben dem Bett. Aber er grinst. Ich kenne dieses Grinsen. Meine These: Er spürt, wenn ich wegen ihm ernsthaft gestresst bin und versucht mich mit dieser Grimasse zu besänftigen. Netter Versuch – diesmal reicht er nicht. Ich bin einfach durch. Ich schimpfe und dann bitte ich meinen Liebsten, ob er übernimmt. Das tut er. H schläft gegen halb elf.

Angekommen!

Das ist jetzt vier Tage her und H ist jeden Abend etwas früher eingeschlafen. Wir haben für Verdunkelung gesorgt und er hat sich mit dem Haus einfach angefreundet. Ganz oben stehen dabei wohl …

… der Rundlauf, den er durch Flur, Wohnzimmer, Esszimmer, Küche in Endlosschleife unternimmt.

… der Garten mit seinen Gießkannen und Schüsseln, in denen herrliche Wasserspiele stattfinden.

… der Spitzboden, auf den er ohne jedes Pardon nur mit erwachsener Begleitung darf.

H&M, aber auch wir Eltern sind jetzt auch innerlich unseren Kisten hinterhergezogen. Das ging wider Erwarten schnell. Ich bin dankbar, dass vor allem H mich mit seiner Anpassungsfähigkeit überrascht hat. Fälschlicherweise habe ich sie ihm nicht zugetraut  …

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